Wie sich die juvenile idiopathische Arthritis äußert

Die rheumatischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter, die unter der JIA zusammengefasst sind, werden nach ihren Symptomen unterschieden. Allen gemeinsam ist die Gelenkentzündung. Zwischen welchen Formen unterschieden wird, welche Beschwerden jeweils typisch sind und wie die Diagnose erfolgen kann, erfahren Sie hier.

Symptome der juvenilen idiopathischen Arthritis

Schmerzen und geschwollene und überwärmte Gelenke sind oft die ersten Zeichen einer JIA. Typisch kann auch eine Steifigkeit der Gelenke am Morgen sein. Für die Einordnung der genauen Form der JIA beurteilt der Arzt den Verlauf in den ersten sechs Monaten. Lässt sich die Erkrankung in dieser Zeit nicht eindeutig zuordnen, wird sie als undifferenzierte (idiopathische) Arthritis bezeichnet. Wie sich eine JIA entwickelt und ob sie sich bis ins Erwachsenenalter bemerkbar macht, lässt sich schwer voraussagen. Der Verlauf ist abhängig von der genauen Erkrankungsform. Einfluss nehmen aber auch der Zeitabstand bis zum Beginn und die Wirksamkeit der Behandlung. Unterschieden wird zwischen folgenden Formen:

  • Oligoarthritis: Bei der Oligoarthritis (oligo = wenig) sind ein bis vier Gelenke betroffen, besonders häufig das Knie. In der Regel zeigt sich die Entzündung asymmetrisch, also nicht gleichmäßig auf beiden Körperhälften. Oft geht eine rheumatische Augenentzündung (Uveitis) mit der Erkrankung einher. Der Krankheitsbeginn liegt überwiegend im Kleinkindalter. Im Verlauf kann sich die Oligoarthritis auf weitere Gelenke ausdehnen.
  • Polyarthritis: Sind fünf oder mehr Gelenke von einer Entzündung betroffen, liegt eine Polyarthritis (poly = viele) vor. Am häufigsten sind Hand- und Fingergelenke, Ellbogen, Knie und Sprunggelenke entzündet, meistens symmetrisch. Oft kommt auch eine Entzündung der Sehnenscheiden hinzu. Eine Polyarthritis unterscheidet sich nochmals danach, ob bestimmte Antikörper im Blut (Rheumafaktoren) nachgewiesen werden können. Bei der Mehrzahl der Polyarthritiden ist dies nicht der Fall (rheumafaktornegativ). Seltener ist die rheumafaktorpositive Form, von der überwiegend Mädchen im Jugendalter betroffen sind. Bei ihr ist das Risiko für einen schweren und anhaltenden Verlauf mit bleibenden Gelenkschädigungen besonders hoch.
  • Systemische Arthritis: Systemisch bedeutet, den gesamten Organismus betreffend. Bei einer systemischen Arthritis sind daher neben den Gelenken auch andere Organe des Körpers in Mitleidenschaft gezogen, z. B. Haut, Herz, Lymphknoten, Milz, Leber und vereinzelt Nieren oder Lunge. Diese Form der JIA beginnt häufig im Kleinkindalter und geht nicht selten mit hohem Fieber einher. Hautausschlag kann ein weiteres Merkmal der Erkrankung sein.
  • Psoriasis-Arthritis: Zeigt eine JIA neben den Gelenkbeschwerden auch Anzeichen einer Schuppenflechte (Psoriasis), wird sie als Psoriasis-Arthritis bezeichnet. Typische Symptome einer Psoriasis sind die sogenannten Plaques. Diese scharf begrenzten rötlichen Areale auf der Haut sind mit silbrig-weißen Schuppen bedeckt. Es handelt sich um eine überschießende Produktion von Hautzellen, die im Anschluss abgestoßen werden. Kein Grund sich davor zu ekeln, die Erkrankung ist nicht ansteckend, die Schuppen also auch nicht! Eine Hautbeteiligung zeigt sich nicht immer gleich zu Beginn der Erkrankung. Häufig gehen Nagelveränderungen und auch das Anschwellen ganzer Finger oder Zehen den typischen Symptomen einer Psoriasis voraus. Bei der Psoriasis-Arthritis sind das Knie sowie die kleinen Gelenke an Händen und Füßen am häufigsten betroffen.
  • Enthesitis-assoziierte Arthritis: Bei der Enthesitis-assoziierten Arthritis kommt es neben den Gelenkbeschwerden zu einer Entzündung von Bändern und Sehnen, oft an der Ferse. Diese Form der JIA beginnt meist im Schulalter und kommt häufiger bei Buben vor. Die Gelenke sind in der Regel asymmetrisch betroffen, vorzugsweise die Knie- und Sprunggelenke. Mit der Enthesitis-assoziierten Arthritis geht in vielen Fällen auch eine Augenentzündung einher.

Kinder sind keine „kleinen Erwachsenen“, auch wenn viele Symptome der JIA einer rheumatischen Erkrankungen im Erwachsenenalter ähneln. Die Wachstums- und Entwicklungsphase mit vielen Veränderungen im Körper trifft mit der chronisch-entzündlichen Erkrankung zusammen. Eine Entzündung der Gelenke kann daher auch Auswirkungen auf das Wachstum haben. Wachstumsstörungen können sich sowohl im Längenwachstum als auch nur an Armen oder Beinen bemerkbar machen, wenn dort einzelne Gelenke betroffen sind. Das frühzeitige Erkennen, die richtige Diagnose und die darauf folgende Einhaltung einer wirksamen Therapie sind ganz besonders wichtig, damit die Entwicklung des Kindes nicht beeinträchtigt wird.

Wie JIA diagnostiziert wird

Zur Diagnose einer JIA sowie für die Beobachtung des Verlaufs stehen dem Arzt verschiedene Methoden zur Verfügung. Dabei geht es nicht nur darum, die genaue Form der Erkrankung zu bestimmen, sondern sie auch von weiteren Erkrankungen abzugrenzen. Vorerkrankungen können dabei eine wichtige Rolle spielen, Erkrankungen in der Familie oder auch Impfungen. Die genaue Diagnose mit Hilfe mehrerer Verfahren ist Basis des individuellen Therapiekonzepts. Dazu gehören:

  • Untersuchung und Gespräch: Ein erster wichtiger Schritt für die Diagnose der JIA ist das ausführliche Gespräch mit dem Arzt und die gründliche körperliche Untersuchung. Dabei ist – abhängig vom Alter – auch die Mithilfe der Eltern wichtig. Wann fingen die Schmerzen an? Sind neben den Gelenken auch andere Körperteile betroffen, beispielsweise die Haut oder die Augen? Ist das Kind noch zu jung, um genau mitzuteilen, wie und wo es im Körper schmerzt, sind indirekte Schmerzreaktionen wichtig. Um die schmerzenden Gelenke zu entlasten, kann es z. B. zu auffälligen oder veränderten Bewegungsabläufen oder Schonhaltungen kommen. Vielleicht hat es angefangen zu hinken oder möchte plötzlich wieder getragen werden, obwohl es schon laufen kann.
  • Bildgebende Verfahren: Neben dem Abtasten der entzündeten Gelenke erfolgt eine weitere Einschätzung der Krankheit mit bildgebenden Verfahren:
    Ultraschall (Sonographie) erzeugt Bilder mittels Ultraschallwellen. Bei der Diagnose der JIA hilft diese Technik, Veränderungen an Weichteilen, wie Knorpel, Bänder, Sehnen, der Gelenkinnenhaut, sowie Gelenkergüsse und Veränderungen auf der Knochenoberfläche zu erkennen. Sie ist die häufigste Technik unter den bildgebenden Verfahren zur Erkennung und Beobachtung der Erkrankung.
    Mit Röntgenaufnahmen ist es möglich, Veränderungen am Knochen zu erkennen. Bei Kindern sind diese Merkmale zu Beginn der Erkrankung häufig noch nicht im Röntgenbild zu sehen. Für die Beobachtung des langfristigen Verlaufs und zum Ausschluss anderer Erkrankungen ist Röntgen jedoch hilfreich.
    Die Computertomographie (CT) erstellt zweidimensionale Röntgenaufnahmen.
    Eine Magnetresonanztomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, macht mit Hilfe von Magnetfeldern Schnittbilder des Körpers. Die MRT hat den Vorteil, keine Strahlenbelastung zu verursachen. Die CT kommt bei der JIA deshalb immer seltener zum Einsatz.
  • Laborbefunde: Teil der umfassenden Diagnostik bei der JIA ist auch die Untersuchung des Blutes. Sie kann Hinweise auf die Form der Erkrankung, den Schweregrad und Verlauf geben. Getestet wird dabei im Labor, ob bestimmte Anzeichen für eine Entzündung im Blut vorhanden sind. Dazu gehört die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG), bei der das Verhalten der roten Blutkörperchen beobachtet wird. Auch das C-reaktive Protein (CRP) spielt eine Rolle. Es gehört zu den Eiweißstoffen im Blut, deren Menge mit einer Entzündung ansteigt. Je höher die Werte sind, umso aktiver ist das Entzündungsgeschehen im Körper.
    Während sich diese Werte auf eine Entzündung allgemein beziehen, gibt es auch Faktoren von besonderer Bedeutung bei rheumatischen Erkrankungen. Dazu gehört der Rheumafaktor (RF), ein Autoantikörper, der sich gegen körpereigene Antikörper richtet und bei der Polyarthritis nachweisbar sein kann (rheumafaktorpositiv). Antinukleäre Antikörper (ANA) sind weitere Antikörper, die auf eine rheumatische Erkrankung hinweisen können.
    Bei allen genannten Werten muss betont werden, dass es keine feste Regel gibt, wann welcher Faktor im Blut nachweisbar ist. Es gibt keine Laboruntersuchung, die das Vorliegen einer JIA beweist bzw. ausschließt. Ein im Labor bestimmtes Merkmal kann jedoch eine Diagnose bestärken, Hinweise auf eine spezifische Form der JIA geben oder auch andere Erkrankungen ausschließen.

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