Wie Kinder- und Jugendrheuma behandelt wird

Die JIA ist eine Erkrankung, die heute noch nicht ursächlich geheilt werden kann. Wirksame Therapien ermöglichen es jedoch, das Fortschreiten der Erkrankung wesentlich zu mindern oder sogar ganz aufzuhalten. Hauptziel ist es, die Entzündung vollständig zu stoppen und so bleibende Schäden an den Gelenken zu verhindern. Die Therapie besteht nicht nur aus einer Maßnahme oder einem Medikament, sondern aus einem individuell zusammengestellten Behandlungskonzept. Dazu gehören Medikamente, Physio- und Ergotherapie, psychosoziale Unterstützung und selten auch Operationen.

Medikamentöse Behandlung

Welche Medikamente bei einer JIA eingesetzt werden und wie lange, richtet sich nach der genauen Erkrankungsform sowie ihrer Ausprägung. Sind die Symptome der Erkrankung durch die Therapie unter Kontrolle, werden die Medikamente oft noch über längere Zeit weiterverschrieben, um ein Wiederkehren zu vermeiden. Während der Behandlung ist es wichtig, den Krankheitsverlauf und die Wirksamkeit der Medikamente regelmäßig zu kontrollieren und auch zu prüfen, ob sie vertragen werden. Häufig sind mehrere Medikamente notwendig, um die verschiedenen Symptome der Erkrankung, z. B. die Entzündung oder Schmerzen, zu behandeln. Dazu gehören:

  • Nichtsteroidale Antirheumatika: Oft besteht die Behandlung aus nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Neben ihrer entzündungshemmenden Wirkung helfen sie auch gegen Schmerzen und sind z. T. fiebersenkend. Die Schmerzlinderung setzt bei diesen Substanzen früher ein als die Entzündungshemmung. Zeigen sie keine ausreichende Wirkung, werden zusätzlich andere Medikamente eingesetzt, die stärker gegen die Entzündung vorgehen.
  • Kortikoide: Kortikoide wirken stark entzündungshemmend und werden bei Kindern und Jugendlichen am häufigsten mit einer Injektion direkt in das betroffene Gelenk gespritzt (intraartikuläre Injektion). Sie können auch als Tabletten oder Infusionen eingesetzt werden. Niedrig dosiert (Low-Dose-Therapie) können Sie als sogenannte Brückentherapie gegeben werden, wenn die Wirkung anderer Medikamente auf sich warten lässt. Eine einmalig hohe Verabreichung (Stoßtherapie) erfolgt in seltenen Fällen, wenn die Entzündung besonders stark ist und schnell eingedämmt werden muss. In hoher Dosierung und über einen längeren Zeitraum werden Kortikoide bei Kindern und Jugendlichen in der Regel nicht gegeben, um Nebenwirkungen, wie z. B. Wachstumsverzögerungen, zu vermeiden.
  • Basistherapie: Bei hoher Krankheitsaktivität oder schwereren Formen der JIA, wie der Polyarthritis, werden die sogenannten Basistherapeutika eingesetzt. Ihre Wirkung setzt erst nach ca. acht bis zwölf Wochen ein. Sie wirken nicht nur gegen die Symptome, sondern nehmen auch direkten Einfluss auf den Krankheitsprozess und damit den Erkrankungsverlauf. MTX ist eines der am häufigsten eingesetzten Basismedikamente. MTX gibt es zum Spritzen oder als Tabletten.
  • Biologika: Biologika greifen gezielt in die Schlüsselprozesse der Erkrankung ein. Diese biotechnologisch hergestellten Wirkstoffe blockieren körpereigene Botenstoffe wie Tumor-Nekrose-Faktor alpha (TNF-alpha) oder Interleukin-6 (IL-6). Durch die Blockade dieser Botenstoffe wird der Entzündungsprozess unterbrochen, wodurch die Symptome der JIA gemildert und die Zerstörung der Gelenke im Idealfall aufgehalten werden kann. Sofern die Basistherapie nicht mehr ausreicht, kann mit einem Biologikum behandelt werden.

Unterstützende Maßnahmen

Zusätzlich zu Ihrer medikamentösen Behandlung kommen noch weitere Maßnahmen in Frage, die sich positiv auf den Krankheitsverlauf auswirken können. Dazu gehören:

  • Operativ gegen die Krankheitsfolgen: Es gibt bei der JIA verschiedene operative Verfahren (invasive Therapie), die gegen die Folgen der Erkrankung an Gelenken oder Sehnen durchgeführt werden. Sie können eine weitere Beeinträchtigung vermeiden oder die Funktion wiederherstellen. Dies betrifft häufig Patienten mit hoher Krankheitsaktivität, bei denen bereits Schäden am Bewegungsapparat eingetreten sind:

    Bei einer Gelenkpunktion wird bei einem Gelenkerguss die übermäßige Ansammlung der Gelenkflüssigkeit mit einer Nadel entfernt. Das Gelenk wird dadurch sofort entlastet und die Schmerzen gemindert. Oft wird der Eingriff mit der Injektion von Kortikoiden in das Gelenk verbunden, diese sorgen für eine rasche Entzündungshemmung.

    Bei einer Synovektomie wird die, durch die JIA übermäßig wuchernde, Gelenkinnenhaut entfernt. Sie kann die Erkrankung nicht heilen und sollte erst eingesetzt werden, wenn mit medikamentösen Mitteln keine Besserung aufgetreten ist.
  • Physiotherapie: Eine frühzeitige und regelmäßige Physiotherapie ist ein wichtiger Teil des Behandlungskonzepts der JIA. Sie hilft Fehlstellungen und Versteifungen von Gelenken, die z. B. durch schmerzentlastende Schonhaltungen entstehen, zu verhindern oder zu korrigieren. Die Beweglichkeit der betroffenen Gelenke wird so erhalten. Abhängig vom Krankheitsverlauf kann eine Physiotherapie z. B. mehrmals pro Woche oder sogar mehrfach täglich sinnvoll sein. Eine Behandlung sollte in enger Abstimmung mit dem behandelnden Arzt und durch einen erfahrenen Physiotherapeuten erfolgen. Nach ausführlicher Anleitung durch den Physiotherapeuten können ggf. einfache Übungen auch zuhause durchgeführt werden, um die Beweglichkeit weiter zu fördern.
  • Ergotherapie: Die Ergotherapie hilft mit spielerischen und handwerklichen Aktivitäten, Tätigkeiten im Alltag besser zu bewältigen. Dabei werden z. B. gelenkschonende Bewegungsabläufe geübt. Bei kleineren Kindern kann sich dies auf das Spielen beziehen, bei älteren geht es um die Vermeidung von Fehlbelastungen in Alltagssituationen. Es gibt viele Hilfsmittel, die vor Fehlstellungen schützen und Bewegungen entlasten. Auch individuell angefertigte Schienen, z. B. für den Unterarm, können nützlich sein. Der Umgang mit ihnen muss individuell erlernt werden, damit sie schonend eingesetzt werden können. Kleineren Kindern können speziell angefertigte Roller oder Dreiräder helfen.
  • Ernährung: Es gibt keine Nachweise dafür, dass eine bestimmte Art der Ernährung eine JIA auslösen bzw. den Krankheitsverlauf verbessern oder verschlechtern kann. Bei Kindern und Jugendlichen befindet sich der Körper in der Entwicklungs- und Wachstumsphase. Daher spielt bei ihnen vor allem eine ausgewogene und gesunde Ernährung eine tragende Rolle: Frisches Obst und Gemüse, Milch- und Vollkornprodukte, eher pflanzliche als tierische Fette und regelmäßig Fisch sind empfehlenswert. Eine einseitige Ernährung kann mehr schaden als nützen. Jede Lebensmittelgruppe versorgt den Körper mit wichtigen Nährstoffen, Vitaminen und Mineralstoffen. Das Fehlen dieser Stoffe kann zu Mangelzuständen führen, die für junge Menschen besonders bedrohlich sind.

Psychosoziale Unterstützung: Mit der Diagnosestellung kann sich viel im Leben des jungen Patienten sowie für die Eltern und Familie ändern. Zusätzliche Kräfte müssen mobilisiert werden. Die Strategien einer Krankheitsbewältigung sind sehr unterschiedlich und jeder muss dabei seinen eigenen Weg finden. Verschiedene Hilfestellungen können jedoch den Umgang mit der Erkrankung erleichtern. An vielen Kinderrheumazentren werden z. B. Eltern- und Patientenschulungen angeboten, und auch der Erfahrungsaustausch mit anderen betroffenen Kindern und Eltern kann eine große Unterstützung sein. Spezielle Methoden der Schmerzbewältigung können helfen, den Alltag besser zu bestreiten. Scheuen Sie sich nicht, mit dem behandelnden Arzt über die Belastungen zu sprechen, die die Erkrankung über die Symptome hinaus mit sich bringt.


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